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Gottesdienste

Eine Liste aller geplanten Gottesdienste in der Fastenzeit und zu Ostern gibt es in diesem Flyer:
Gottesdienstplan zur Fastenzeit und Ostern

Aktuelle Informationen (Stand 29.1.) gibt es auf dieser Informationsseite.

Geistlicher Impuls

Liebe Mitchristen!
Die meisten Menschen haben schon einmal von den Zehn Geboten gehört und wissen ungefähr Bescheid über den Inhalt.
Bei kirchlich geprägten Menschen, die schon ein bisschen älter sind, kommen vielleicht Erinnerungen hoch an strenge Katechismus- und Religionsstunden und belastende Beichten mit Sündenängsten und schlechtem Gewissen durch minutiöse Beichtspiegel, die an den Zehn Geboten orientiert waren.
Über die Einhaltung der Gebote wachten Gott und die Kirche. Gerade der Katholizismus galt als Religion des „Du sollst...!“ Und der Glaube bestand vielfach in der ängstlichen Erfüllung von Geboten.

Die Befehlsform „du sollst“ hinterlässt vielleicht bei einigen Menschen immer noch den Eindruck, dass die Gebote eine Last sind und uns einengen. Aber der biblische Befund zeigt uns, dass die Gebote anders gemeint sind. Vor den einzelnen Geboten steht ein Schlüsselsatz, der wichtig ist für das richtige Verständnis aller Gebote. Da heißt es: „Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus Ägypten geführt hat, aus dem Sklavenhaus.“
Gott erinnert an diese überwältigende Erfahrung der Befreiung Israels aus der Sklaverei Ägyptens. Das ist das Vorzeichen für alle weiteren Gebote.
Sie wollen dem Volk Israel helfen, das Leben in der neu gewonnenen Freiheit zu gestalten und zu schützen.

„Anweisungen für das Land der Freiheit“, diesen Titel gab Fulbert Steffensky seinem Buch über die Zehn Gebote. Die Gebote wollen Spielräume eröffnen für ein gutes Verhältnis zu Gott und zu den Menschen, für ein friedliches und bereicherndes Miteinander. Durch die Einhaltung der Gebote können alle gewinnen.
Die Gebote sind sozusagen An-Gebote, die helfen wollen, nicht in neue Abhängigkeiten, in neue selbstgebaute Sklavenhäuser, zu geraten.

Besser als „du sollst“ könnte man übersetzen mit „du wirst“, weil du erkennst, dass Gott ein Gott ist, der in die Freiheit führen will.

Dann heißt das erste Gebot:
Du wirst keine anderen Götter neben mir haben – denn du spürst, dass die vielen falschen Götter deine Sehnsucht nach Sinn nicht erfüllen können: die Götzen Besitz, Macht, Genuss, Ansehen...Sie können nicht die höchsten Werte sein, weil sie dich abhängig machen, wenn sie absolut gesetzt werden. Weiter:
Du wirst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen –
Weil du weißt, dass die Namen und die Bilder, mit denen du Gott beschreibst oder anrufst, nie sein Geheimnis ergründen können, weil du ahnst, dass alles, was du von Gott sagen kannst, nur Annäherungen sind mit unserem menschlich begrenzten Horizont, weil Gott immer größer ist als menschliche Vorstellungen.

Das 3. Gebot: Du wirst den Sabbat, den Sonntag heilig halten –
Weil du in deiner Hektik und Unrast Zeiten der Ruhe und der Muße brauchst.
Welch großartige Freiheit gewährt dieses dritte Gebot!
Unsere Zeit läuft nicht monoton und gleichförmig dahin, sondern ist gegliedert: Jeder siebte Tag ist ein hervorgehobener Tag. Was für eine Weisheit allein schon im Rhythmus der sieben Tage! Jeden siebten Tag dürfen wir ausruhen und aufatmen, dürfen wir zurückblicken auf das, was wir getan haben, dürfen wir Gott preisen für seine Taten in unserer Mitte, dürfen wir fröhlich sein vor Gott.

Die Unterbrechung der Arbeitsgesellschaft für alle, auch für Knechte und Mägde, sogar für Sklaven, war gleichsam eine erste Sozialgesetzgebung im Namen Gottes. Alle Menschen, die ganze Natur sollte teilhaben an der Ruhe Gottes. Ihm die Ehre geben, macht den Menschen frei vom Gebrauchtwerden und Verbrauchtwerden durch die Mächtigen oder die Macht des Marktes.

Das 4. Gebot: Du wirst deinen Vater und deine Mutter ehren –
Weil du dankbar erkennst, dass sie dich auf deinem Weg ins Leben hinein geführt und begleitet haben, weil du ihnen vieles verdankst, weil sie im Alter deine Fürsorge und Wertschätzung brauchen, so wie du ihre Liebe und Fürsorge lange Jahre gebraucht hast. Es geht um das Miteinander der Generationen, die aufeinander angewiesen sind.

Das könnte man weiter durchspielen mit den übrigen Geboten, um deutlich zu machen, dass sie eigentlich Konsequenzen sind aus dem Handeln Gottes an uns, die uns helfen zu einem Leben in Freiheit und Verantwortung und in Respekt vor dem Nächsten und der Schöpfung.

Von der Freiheit, aufatmen zu dürfen, sprechen auch die Gedanken von Dorothee Sölle zur Heiligung des Sonntags:

Du sollst dich selbst unterbrechen

Zwischen Arbeiten und Konsumieren
soll Stille sein
und Freude,
dem Gruß des Engels zu
lauschen:
Fürchte dich nicht!

Zwischen
Aufräumen und Vorbereiten
sollst du es in dir singen hören,
das alte Lied der Sehnsucht:
Maranata, komm, Gott, komm!

Zwischen
Wegschaffen und Vorplanen
sollst du dich erinnern
an den ersten Schöpfungsmorgen,
deinen und aller Anfang,
als die Sonne aufging
ohne Zweck
und du nicht berechnet wurdest
in der Zeit,
die niemandem gehört
außer dem Ewigen.

Einen schönen Sonntag und Zeit zum Aufatmen wünscht Ihnen und euch
Annegret Lewin